Über den Versuch einer (innovativen?) Innovationskonferenz

Als ich zum ersten mal vom Thema des coThinkTank 2011 hörte, musste ich googeln:  Social Business Innovation. Auch google war etwas ratlos, spuckte aber zumindest einen Treffer aus. Also anscheinend ein völlig neues Thema – erst mal gar nicht so schlecht für eine innovative Veranstaltung. Ich sollte “irgendwie” an der Struktur der Konferenz mitarbeiten. Im Laufe der nächsten drei Monate wurde dann die Konferenz aus dem Boden gestampft: Internationale Keynotespeaker, Microtalks angesehener Unternehmen, vier Workshopps mit Experten, Sponsoren und alles was man sonst noch so braucht. Wenn so etwas einmal auf dem Weg ist, gibt es kein zurück ohne Blamage. Weltweit die Trompete blasen und dann einen Rückzieher machen sieht eben nicht gut aus. Also Augen zu und durch: Immer die Devise im Kopf „Erst mal machen – und beim nächsten mal besser machen“. Da wird dann trotz vieler Streitigkeiten zwischen Umsetzung und Kuration tapfer zusammengehalten. Ich habe das alles nur am Rande mitbekommen, den inzwischen hieß es: “Keine weiteren Aufwände verursachen, bzw. die Kosten reduzieren”. So wurde ich dann zum Zuschauer der hin und wieder mal fragte: “Was ist der Sinn von diesem oder jenem?”.

Hier auch gleich mein erster Punkt: Wenn die gesamte Konferenz nur in den Köpfen zweier Menschen geplant wird, mag das eventuell noch innovativ werden, aber beileibe nicht sozial. Denn dieses Wort im Titel verleiht dem Ansatz Ausdruck, mit Hilfe der Belegschaft, der crowd, oder einer wie auch immer gearteten Menge an Menschen, Innovatives zu kreieren. Wär ja schön gewesen hier selbst dem Anspruch der Konferenz zu folgen. Sei‘s drum. Irgendwann war es dann soweit und für zwei Tage ging es darum, wie man bei der Kreation von Innovationen aus dem Denken des industriellen Zeitalters mit seinen funktionalen Expertenhierarchien in das Informationszeitalter mit all seinen partizipativen Möglichkeiten kommt. Ich hatte dann doch noch etwas Einfluss und konnte die vier Workshops mit den Keynotespeakern gestalten: Für Viele eines der Higlights, weil  gehaltvoll und thematisch interessant.

Konferenz im Scandic Hotel
Konferenz im Scandic Hotel

Bis auf einige Pannen gleich zu Beginn, war es eine gute Konferenz die professionell durchgeführt wurde. Trotzdem bleibt ein schaler Nachgeschmack. Neben den vier wirklich guten Keynotes gab es etliche Impulsvorträge in denen sich die üblichen hochkarätigen Verdächtigen  wie T-Labs und frogdesign die Klinke in die Hand gaben um jeweils zehn Minuten PowerPoint-Recycling zu betreiben und für sich zu werben. Das sieht dann zwar im Programm gut aus, reduziert sich im Vortrag aber auf Weisheiten wie „In Meetings werden bei uns die Handys ausgeschaltet“. Generell stellte sich mir bei allen Impulsvorträgen die Frage: Was hat das mit Social Business Innovation zu tun? Klassisch kreativ war hier vieles – leider aber auch nur das. Ich könnte sagen „Zwei verschenkte Stunden auf einer Butterfahrt der Agenturen“ oder auch „Interessant zu sehen, dass sich seit 10 Jahren nichts verändert hat“. Die kreative Elite ist anscheinend in Punkto Arbeitsorganisation noch nicht im Web 2.0 angekommen…

Empfang auf der Dachterasse bei Olzwang
Empfang auf der Dachterasse bei Olzwang

Was Social Business Innovation denn nun eigentlich ist, war vielen Konferenzteilnehmern nicht klar – leider auch nicht nach der Konferenz. Was jedoch blieb, war das Gefühl, das Thema ist interessant und da geht noch viel mehr. Ich denke die meisten würden deshalb wieder kommen. Mein Resumeé: Das Thema interessiert und hat Potenzial. Aber über Aktionismus hinaus muss man eben eine solche Veranstaltung auch mit Inhalt füllen. Das geht leichter wenn man selbst an das Thema glaubt und es lebt. Das haben die Keynotes gezeigt. Hier waren vier leidenschaftliche Experten am Start, die die Welt verändern wollen (z.B. Paul Pangaro). Davon hätte es mehr gebraucht. So ungefähr sah auch das wichtige Feedback der Teilnehmer aus (wenn man mal Kommentare wie „Es gab zu wenig vegetarisches Essen“ oder „“ich habe meinen Rucksack verloren“ ausklammert). Bleibt zu hoffen, das aus der Erfahrung gelernt wird. Ich bin jedenfalls gespannt auf 2012…

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