Tipps für den Wandel

Menschen sind Gewohnheitstiere und verharren gerne länger als sinnvoll in alten Strukturen. Das ist völlig normal und umso schwerer je länger und besser das Alte funktioniert hat.

Sichtbar wird das zur Zeit in der Buchbranche. Diese befindet sich im größten Umbruch seit der Erfindung des Buchdrucks. Während das gute alte Papierbuch das Feld stückchenweise an Kindle & Co verliert ist ein noch weitaus größerer Wandel im Gange:
Die Machtposition der Verlage wird durch das Internet und seine neuen Möglichkeiten bedroht – jeder kann jetzt Verleger sein, seine Werke verteilen und mit Lesern in Kontakt treten. Man muss wohl versuchen sich in einen tradierten Verlag hineinzuversetzen um die Lage zu verstehen: Alles was die letzten 200 Jahre aufgebaut wurde, wird auf einmal in Frage gestellt.

Wie reagieren die Verlage auf diese Entwicklungen?
Es lassen sich drei Lager erkennen:

  Gestern-Morgen-01  Gestern-Morgen-02  Gestern-Morgen-03
Die Rückgewandten
Sie warten darauf, dass alles wieder so wird wie früher. Die Kommentare zeigen oft Hoffnung auf das „Platzen der Internetblase“, warnen vor neuer Oberflächlichkeit, meinen neue Medien wären „Marketing-Gedöns“ und „Transmedia-Scheisse“. Generell werden neue Technologien als abgehobene Sichtweise betrachtet und das gute alte Buch als das Wahre, Echte.
Die Erstarrten
Sie sehen die Veränderung deutlich, wissen aber nicht wie sie reagieren soll. Die Kommentare zeigen fehlenden Wagemut. Weil keine sonnenklare Richtung zu identifizieren ist muss eben abgewartet werden. Es wird deutlich gesehen, dass sich die Welt sich massiv verändert – nur es fehlt die 100%ige Sicherheit wohin.
Die Vorprescher
Sie gucken nach vorn, entwickeln neue Erzählformen und Geschäftsmodelle. Die Trends werden deutlich erkannt – und es wird auf sie reagiert. Tenor: Man darf sich „nicht zu sehr vor der Zukunft fürchten“. Es ist klar, dass die Zukunft der digitalen Medien aktiv mit Innovation in die Hand genommen werden muss statt sich von ihr treiben zu lassen.

Die volle Umfrage inkl. der Detailergebnisse gibt’s hier. Ums klar zu machen: Ich spreche hier nicht für die „first mover“. Jene die immer und überall zuerst sein müssen und jeden Trend mitmachen. Eine gesunde Skepsis und ein gewisses Abwarten hat ja durchaus etwas für sich – es darf jedoch nicht zu einem Verharren im Gestern werden, denn dann verliert man den Anschluss ans Jetzt. Das größte Problem ist hier wohl, dass es erfolgreichen Akteuren im alten Umfeld schwer fällt ihr eigenes Verhaltensmodell anzugreifen. Logisch. Aber genau das müssten die tun im Neuland zu betreten. Welche Tipps kann man geben, um Neues anzugehen und Altes in Frage zu stellen?

Ich/Innen

Andere/Aussen

  ich  Andere
  • Die veränderten Bedingungen akzeptieren
    Man muss zuallererst Erkennen das der Wandel alte Modelle bedroht. Man muss sich vom Status quo lösen und sich mit der Veränderung abfinden. Erst wenn man offen für die veränderten Realitäten ist, ist man bereit neue Experimente zu wagen.
  • Eigene Ziele im Wandel setzen
    Man braucht mehr Gründergeist, ein bisschen mehr Zukunftsoptimismus, ein bisschen mehr das Sehen von Vorteilen. Es geht darum Veränderungen, die nicht aufhaltbar sind, mitzumachen und selbst zu gestalten. Dazu muss man auch alte Dinge loswerden.
  • Kreativ sein
    Um kreativ zu sein muss man das Neue mit staunenden Augen betrachten und es mit Lust und Freude angehen.  Man muss sich fragen: Wie kann ich das Neue nutzen? Man muss sich darauf einlassen, zugfreudig und wagemutig sein und versuchen ein Verhalten zu finden, das im Neuen aufblüht.
  • Sich selbst erneuern
    Um Neues zu schaffen, muss man in Frage stellen was da ist. Man muss sich eigentlich die ganze Zeit selbst in Frage stellen. Denn nur in dem man sich selbst angreift bleibt man zukunftsfähig.
  • Interne Ressourcen nutzen
    Veränderung kann durch die Bevollmächtigung interner Kräfte erfolgen: Die neuen Ideen sind auch im eigenen Kopf. Man kann ihnen zuhören, ihnen Freiheitsgrade bieten und sie experimentell gedeihen lassen.
  • Externe Kräfte dazu holen
    Um Dinge wirklich neu zu denken und zu entwickeln braucht man auch neue Ideen von außen. Man kann Kreativ-Netzwerke aufbauen in denen man interdisziplinär denkt und arbeitet.
  • Mit der Außenwelt reden
    In den Dialog mit dem Neuen zu treten ist ein einfacher Weg um Näher am Zeitgeist zu sein. Man kann mit begeisterten Fürsprechern des Neuen reden. Dazu muss man vor allem beobachten und ihnen zuhören.
  • Sich verbünden
    Bündnisse und Kooperationen mit ähnlich Gesinnten sind ein gutes Mittel um  die Kräfte zu vervielfachen.

 

Zumindest eins ist klar: Klagen über die Situation, Mangel an Mut, Lust und Selbstgefühl, Angst vor falschen Entscheidungen und Risikounfreudigkeit führen nicht zu Lösungen. Dies ist Angst – und die ist gegenstandslos und lähmt.

Es ist völlig normal in das Tolle vergangener Zeiten „verliebt zu sein“ und an dem fest zu halten was man gelernt hat. Doch wer in einer sich schnell verändernden Welt zu lange an alten Vorstellungen und Traditionen festhält und auf dem beharrt was hundert Jahre funktioniert hat, der schaut nur zurück und nicht nach vorne. Er macht einfach weiter wie bisher und hofft dass es auch weiter gut geht. Der Wandel ist aber manchmal keine Modeerscheinung. Die Menschen die ihn bis zur Rente aussitzen können, sind wenige.

Gegen den Wandel ankämpfen geht nicht. Man kann die Veränderung in einigen Bereichen verzögern, man kann sie jedoch nicht aufhalten. Der künstliche Erhalt alter Strukturen durch entsprechende Entscheidungen funktioniert nur auf kurze Sicht. Also: vorwärts – vor allem im Kopf!

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